Window Dressing und Trading mit Fonds

Alljährlich zur Weihnachtszeit findet man in diversen (Finanz)Publikationen Berichte über das sogenannte „Window Dressing“. Lt. der gängigen Theorie wird dies von institutionellen Anlegern in den letzten Handelstagen des Jahres praktiziert. Übersetzen könnte man „Window Dressing“ mit „Aufhübschen des Schaufensters“.

Besagte Schaufenster sind die Vermögensaufstellungen der großen Fonds und Vermögensverwalter, welche Ihren Anlegern dokumentieren möchten, dass sie selbstverständlich auf die im Jahresverlauf erfolgreichsten Aktien (und andere Anlageinstrumente) gesetzt haben. Daher werden gut gelaufene Aktien zum Jahresende noch einmal aufgestockt und Underperformer verkauft. Dies kann für den aufmerksamen Anleger bedeuten, dass er in den letzten Handelstagen mit dem einen oder anderen Abstauberlimit (also einem vergleichsweisen niedrigen Kurs) zum Zuge kommen kann. Auf der anderen Seite könnte man ggf. sehr gut gelaufene Positionen, von welchen man sich im nächsten Jahr ohnehin trennen (oder den Bestand reduzieren) will, gegen Jahresende zu einem guten Kurs verkaufen.

Was Investmentfonds anbelangt, so gibt es sicher auch den einen oder anderen Vermögensverwalter oder Dachfondsmanager, welcher am Jahresende sein sinnbildliches Schaufenster aufhübschen will. Um als Privatanleger davon evtl. zu profitieren, ist aber eine Menge Fachkenntnis, viel Zeit und Geduld, sowie auch eine Portion Glück nötig. Seitdem an den deutschen Börsen vor ungefähr 15(?) Jahren der Fondshandel auf vollelektronische Systeme umgestellt wurde, ist es viel schwieriger geworden, mit einem Abstauberlimit zum Zug zu kommen. Von Arbitragegeschäften ganz zu Schweigen.

Trotzdem ist es auch für Privatanleger immer noch gelegentlich möglich an der Börse zu günstigen Kursen Fonds zu erwerben. Ein aktuelles Beispiel: ein Fonds, der schwerpunktmäßig in Wohn- und Büro-Immobilien im Großraum München investiert. Aufgrund des Immobilienbooms/Hypes in der bayerischen Landeshauptstadt erzielte dieser offenen Immobilienfonds in den letzten Jahren eine sehr gute Performance.

Der 1-Jahres-Chart (Kurse der Fondsgesellschaft) zeigt nicht nur die (für einen Immobilienfonds) starke Performance von über +12%. Anhand des treppenförmigen Kursverlaufs, insbesondere im zweiten Halbjahr, kann man auch gut erkennen, dass es immer wieder zu Aufwertungen des Immobilienbestandes von Seiten der KVG kam.

Chart (KVG) 1 Jahr
Chart (KVG) 1 Jahr

Natürlich möchten gerne diverse Anleger einen Fonds mit einem so gutem Chance-/Risikoverhältnis erwerben. Aber leider gibt es diesbezüglich einen kleinen Haken: wer direkt bei der KVG Anteile kaufen will, muss schlappe 300000 Euro Mindestanlage mitbringen. Als Ausweg bleibt daher nur der Handel über die Börse Hamburg, dem einzig möglichen, alternativen Handelsplatz.

Da die gute Kursentwicklung des Fonds immer mehr Anlegern auffiel, ist der Kurs an der Börse Hamburg im zweiten Halbjahr stark gestiegen. Und weil es mehr Käufer als Verkäufer gab, stieg auch das Agio. D. h. das Aufgeld des Börsenkurses gegenüber dem Kurs der KVG wurde immer höher. Zeitweilig notierte der Börsenkurs fast 15% höher als der KVG-Kurs.

Damit zurück zum WINDOW DRESSING: wer regelmäßig einen Blick auf den Kursverlauf dieses Fonds an der Börse Hamburg warf, dem fiel auf, dass besagtes Aufgeld ab November zurück ging und auch die täglichen Umsätze weniger wurden. Damit konnte man davon ausgehen, dass ein mutmaßlicher Verkäufer einer großen Stückzahl einen deutlich niedrigeren Kurs als noch vor einigen Wochen erzielen würde. Und tatsächlich: während am 20. und 21.12. nur ca. 100 bis 200 Stück gehandelt wurden, platzierte am 22.12. eine(?) größere Adresse ca.10000 Fondsanteile an der Börse. Dies war dann die Chance für (gut informierte) Anleger. Die konnten nun zu Kursen kaufen, welche ca. 10% niedriger waren als noch wenige Tage zuvor. Ob der (oder die) Großverkäufer Dachfondsmanager oder andere institutionelle Anleger waren, ob es sich tatsächlich um klassisches Window Dressing handelte, oder andere Gründe für den Verkauf ausschlaggebend waren, bleibt ungewiss. Nur schaden kann es sicherlich nicht, wenn man gerade in den Tagen vor dem Jahresende Kurs und Handelsvolumen einzelner Fonds an den Börsenplätzen einmal näher betrachtet.

FAZIT: als Privatanleger vom Window Dressing am Jahresende zu profitieren ist möglich, erfordert aber viel Zeitaufwand, Fachkenntnisse und auch eine Portion Glück

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