In stürmischen Zeiten: Depotabsicherung mit ETFs

Die Short-Versionen von Indexfonds sind ein populäres Instrument zur Absicherung eines Wertpapierdepots unter kurzfristigen Aspekten. Schaut man sich z. B. die Portfolios der erfolgreichsten Wikifolio-Trader an, so sind unter dieser Prämisse vor allem zwei ETFs sehr beliebt:

  • Xtrackers ShortDAX x2 Daily Swap (WKN DBX0BY, 2fach gehebelt)
  • WisdomTree Multi Ass.Iss.PLC Nas (WKN A3GL7D, 3fach gehebelt)

Die zugrundeliegenden Ideen und verschiedene, wichtige Aspekte einer Depotabsicherung mit Short ETFs werden nachfolgend erläutert:

Die Idee der Absicherung: angenommen ein Anleger ist von den Aktien in seinem Depot überzeugt, sieht aber Risiken bei der  Marktentwicklung der kommenden Tage. Daher möchte er kurzfristig das Risiko senken. Statt sich nun von einzelnen Aktienpositionen zu trennen, nimmt er stattdessen einen Short-ETF ins Depot. Dieser minimiert das Risiko, indem er einen Teil der Long-Positionen im Depot neutralisiert. Beispiel: der Anleger hat einen Depotaufteilung von 40% dt. Aktien, 40% Anleihen und 20% Cash. Am kommenden Wochenende erwartet er Entwicklungen, die möglicherweisen am Montag zu starken Verlusten bei Aktien führen könnten. Statt nun einen Teil der Aktien zu verkaufen, erwirbt er stattdessen einen Dax Short ETF, z.B. den Xtrackers, Wkn DBX1DS -> Details bei Xtrackers

Falls er hierfür die o. g. 20% Cash nutzt, wäre damit ungefähr die Hälfte des Depots abgesichert. Will der Anleger das komplette Depot über das Wochenende kurzfristig komplett absichern, könnte die doppelt gehebelte Version DBX0BY eine Alternative darstellen.

Wichtige Aspekte, die zu beachten sind:

  • im vorherigen Absatz wurde mehrfach auf den kurzfristigen Aspekt hingewiesen. Langfristig ist diese Form der Depotabsicherung nämlich nicht sinnvoll. Grund dafür ist der Basiseffekt. Beispiel: ein Anleger investiert gleichzeitig je 1000€ in einen Dax (Long) ETF und einen Short-Dax-ETF. Verliert der Dax nun 5% am ersten Tag, dann ist der Long-ETF 95€ wert und der Short-ETF 105€. Gewinnt der DAX am folgenden Tag aber wieder die 5€ zurück, so entspricht dies einem prozentualen Gewinn von 5,26%. Der Dax (Long) ETF wäre also wieder 100€, der Short-Dax-ETF jedoch nur 105€ – 5,26 = 99,47€. Somit wäre schon nach zwei Handelstagen ein Verlust entstanden, obwohl der DAX exakt wieder sein Ausgangsniveau erreicht hätte.

Die langfristigen Folgen dieses Basiseffektes demonstriert der nachfolgende Chartvergleich 3 Jahre Dax und Short-Dax:

Chartvergleich 3 Jahre Dax und Short-Dax

+10% beim Dax stehen ungefähr -27% beim Short-Dax gegenüber

  • Gründe für einen kurzfristigen Einsatz eines Short-ETFs können u. a. steuerliche oder gebührentechnische Aspekte (ETF-Handel günstiger als Aktienhandel) sein. Oder es wird beabsichtigt, Alpha zu generieren, d. h. der Anleger ist davon überzeugt, dass seine Aktien besser rentieren werden als der Vergleichsindex.
  • Sehr genau ist zu prüfen, inwieweit es geeignete Absicherungsinstrumente für das eigene Depot gibt. Z.B. gibt es zwar diverse Short-ETF auf den Eurostoxx, aber z.Z. keinen einzigen auf den Stoxx 600. D.h., dass ein Anleger, der in seinem breit gestreuten Depot auf europäische Aktien setzt (incl. GB und Schweiz), eine ziemliche Unwucht hätte bei einer Absicherung durch einen Short-ETF auf den Eurostoxx50.
  • Kosten: erfreulicherweise gibt es anno 2022 einige Neobroker (z. B. Justetf), bei denen sich die ETFs verschiedener Anbieter (u. a. Ishares, Xtrackers) völlig kostenfrei handeln lassen

FAZIT:

Die kurzfristige Absicherung eines Wertpapierdepots durch den  Einsatz von Short-ETFs kann sinnvoll sein. Z. B. wenn nach Börsenschluss am Abend oder am Wochenende noch wichtige Meldungen erwartet werden, welche zu starken Kurseinbrüchen führen könnten. Langfristig ist diese Methode nicht sinnvoll, siehe oben

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