Inflationsschutz mit Sachwerten

oder Inflation Linked Bond Funds – Teil I

Das Thema Inflation ist seit Monaten in aller Munde. Dabei werden oft Sachwerte wie Immobilien, Uhren, Oldtimer, Edelsteine, etc. als Schutz bei inflationären Tendenzen empfohlen. Auch Aktien werden oft genannt. Neben dem allgemeinen Markt-Risiko gibt es aber diverse Feinheiten zu beachten. Z.B. verlieren Wachstums-Unternehmen meist überdurchschnittlich bei erhöhten oder steigenden Inflationsraten.

Inflation Linked Bond Funds oder vergleichbare Konstrukte, welche an die Inflations-Erwartungen gekoppelt sind, stellen eine interessante. Alternative dar. Diese Fonds sollen als Anti-Inflations-Baustein die Asset Allocation ergänzen und die Volatilität des Depots verringern. Und möglichst gegen Inflationsrisiken absichern, bzw. sogar von einer steigenden Teuerung profitieren. 

Die Auswahl an inländischen, inflationsgeschützten Anleihen (Definition siehe z.B. hier bei der Börse Frankfurt) war im Jahr 2020 noch relativ überschaubar: es gab nur 4 Bonds der Bundesrep. Deutschland. Das Angebot auf globaler und europäischer Ebene basierte dagegen vor allem aus inflationsgeschützten Anleihen der USA (seit Ende der 90iger Jahre), GB, Italien und Frankreichs. Inzwischen gab es aber eine Vielzahl von Neuemission. Und auch bei den Inflation Linked Bond Funds gibt es eine beachtliche Anzahl von Wettbewerbern. Eine Übersicht inflationsgeschützter Rentenfonds findet man u. a. bei Fondsweb (Sortierung nach Sharpe-Ratio 5 Jahre).

Ein Klassiker in diesem Bereich ist der Nomura Real Return. Ein Zitat von Nomura Asset;: „…. Strategie konzentriert sich auf die Erzielung realer Renditen, und kann dafür in alle Laufzeiten einschließlich des ultralangen Endes der Kurve investieren, wobei die Volatilität unter der vergleichbarer nominaler Anleihenportfolios liegt… Der Fonds bietet mittel- bis langfristig einen hohen Inflationsschutz und investiert überwiegend in Staatsanleihen hoch bewerteter OECD-Länder…“

Alternativen zum aktiv gemanagten Nomura sind passive Ansätze, also ETFs wie z. B. der Lyxor Core US TIPS (DR) (Wkn LYX0VY) oder der IShares $ TIPS 0-5 (Wkn A2DKPQ). Einen Überblick über die ETFs in dieser Peergroup findet man z.B. bei justetf

Weiterhin gibt es noch subtilere Ansätze, u. a. der Amundi Index Breakeven Inflation USD 10Y (Wkn A2PSY7). Dieser bietet Zugang zu Breakeven-Inflation, indem Long-Positionen in 10-jährigen US-Treasury Inflation-Protected securities (TIPS) und Short-Positionen in US-Treasuries mit angrenzenden Laufzeiten eingegangen werden. Details siehe bei Amundi ETF. Eine ähnliche Strategie verfolgt der Tabula US Enhanced Inflation (A2QDG1). Ebenso der Lyxor EUR 2-10Y Inflation Expectations (Wkn LYX0U6), welcher sich auf die europäischen Kernländer fokussiert. Zitat von lyxoretf: „…Breakeven Euro-Inflation France & Germany Index bietet Zugang …, indem eine Long-Position in von Frankreich und Deutschland ausgegebenen inflations-Indexierten Anleihen und eine Short-Position in französischen und deutschen Staatsanleihen mit angrenzenden Fälligkeiten eingegangen werden…“.

Comdirect Chartvergleich 1 Jahr der o. g. und einiger weiterer Fonds aus dieser Peergroup.  Im Laufe des Jahre 2021 waren Kursgewinne bei stark anziehender Inflation zu verzeichnen. Aufgrund der bislang stärker anziehenden Teuerung in den USA performten die Produkte mit Fokus auf Nordamerika etwas besser. Der Grund: im Vergleich der Konjunkturzyklen blieb Europa (noch) hinter den USA zurück. Was die zukünftige Entwicklung angeht, sind die Meinungen der Experten geteilt. Der EU-Währungskommissar äußerte sich kürzlich (November 2021) in dem Sinne,  dass die Inflation in diesem Jahr ihren Höhepunkt erreichen und dann allmählich wieder abflachen würde. Einige renommierte Ökonomen bezweifeln dies aber und verweisen darauf, dass US-Notenbank Fed bereist den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik eingeleitet hätte, während sich dies bei der EZB noch nicht abzeichnen würde.

Der Comdirect Chartvergleich 2 Jahre mit denjenigen Fonds, welche schon lange genug am Markt sind, lässt erkennen, dass auch diese Produkte vom Corona-Crash im Feb./März 2020 betroffen waren. Weiterhin ist ersichtlich, dass Fonds, welche sich auf längere Laufzeiten konzentrieren deutlich volatiler sind, weil sie wesentlich sensibler auf Veränderungen der Inflationserwartungen reagieren. Dies lässt sich gut erkennbar anhand des Vergleichs des UBS ETF (LU) Bloomberg Barclays TIPS 10+ (hellrote Linie im Chart, lange Laufzeiten) mit dem UBS ETF Bloomberg Barclays TIPS 1-10 (dunkelblaue Linie im Chart, verschiedene Laufzeiten).

Z. Zt. scheint mir der Tabula erste Wahl für den US-Markt und der Lyxor EUR 2-10Y für die Eurozone zu sein.

FAZIT: eine Investition in die o. g. Fonds lässt Gewinne erwarten bei weiterhin stark anziehenden Inflationsraten. Oder aber, wenn die Inflation höher ausfällt als es am Kapitalmarkt erwartet wurde. Daher kommen Inflation Linked Bond Funds in Frage als Depotbeimischung, um ggf. Verluste anderer Assetklassen auszugleichen, welche inflationsbedingt Verluste erleiden. 

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3 Kommentare zu „Inflationsschutz mit Sachwerten

  1. 30.12.21: Invesco Chefökonom John Greenwood erwartet für die nächsten 3-4 Jahre Teuerungsraten von 5-10% für die USA, aber nur mäßig erhöhte Inflation für die Eurozone.
    Der Schwab US Tips (A1JG6F) hat ein Morningstar-Analyst-Rating „Gold“ und war lt. Nov.-Factsheet im Quantex Multi Asset enthalten. Auf Basis des 2-Jahres-Charts (siehe Beitrag) gefällt mir aber der Lyxor Core US Tips (LYX0VY, geringfügig niedrigere TER als sein Ishares-Pendant) besser: mehr Perf. bei geringeren Drawdowns. Der Tabula US Enhanced Inflation (A2QDG1) ist die Alternative mit einer anderen Strategie (US-Tips long, US-Treasuries short) als der Lyxor.

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